Romeo und Julia

Die Capulets und Montagues wollen nichts miteinander zu tun haben. Dies wird deutlich durch die Mauer, welche die Bühne teilt. Wir sitzen auf der Seite der Montagues und erleben die Handlung der anderen Seite über Projektionen. Wir sind ganz nah dabei, als die lange bestehende Feindschaft der Familien durch zwei Morde weiter angeheizt wird, und das, nachdem sich ausgerechnet Romeo Montague und Julia Capulet ineinander verlieben und sich heimlich von Pater Lorenzo trauen lassen.

Im Kampf tötet Julias Cousin Tybalt Romeos Freund Mercutio und Romeo rächt diesen, indem er Tybalt ersticht.

Er flieht aus Verona und Julia versucht durch ihren vorgetäuschten Tod ihrer arrangierten Verheiratung mit Paris zu entgehen. Romeo erfährt von Julias Tod, jedoch nicht von ihrer List, sieht die Schlafende aufgebahrt liegen und bringt sich um. Wie sehr wir mitleiden wird deutlich, als hinter mir ein junger Zuschauer eindringlich „Tu’s nicht!“ flüstert. Julia erwacht, sieht ihren toten Ehemann und tötet sich mit seinem Dolch.

Diese tragische Geschichte wird spannend vor, hinter und auf der Mauer erzählt, zum Teil mit unerwarteten Musikeinlagen wie „Killing me softly“, das von Julia live gesungen wird. Der teils urkomische Wortwitz, mit dem Shakespeare bei aller Tragik sein Stück würzt, wird insbesondere durch Mercutio und Julias Amme, die von Nils Kreutlinger, also einem Mann gespielt wird, so provokant präsentiert, dass sie beim Publikum lautes Gelächter hervorrufen.

In diesen drei Stunden im Schauspielhaus Frankurt erleben wir das bislang älteste Stück der KulturWEG-Theaterbesuche in der modernsten Inszenierung. Wir werden diesen mitreißenden Theaterabend lange in Erinnerung behalten. - O-Ton unseres jüngsten KulturWEGlers (11): „Cool, ich dachte, Shakespeare ist etwas für alte Leute!“

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